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über reden – 14. Herforder Filmtage

Die 14. Herforder Filmtage stehen unter der Überschrift "über reden". Sie laufen vom 28. Oktober bis 2. Dezember 2019 im Herforder Capitol-Kino, Elisabethstraße 1A, jeweils montags abends um 19.30 Uhr. Wir haben wieder einige spannende und aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme zusammengestellt, die darauf warten, in Herford gesehen zu werden. Wie immer nehmen wir keinen Eintritt, um möglichst vielen Menschen den Besuch zu ermöglichen, freuen uns aber über einen Austritt, also eine Spende beim Verlassen des Kinos.

Die Vorführungen finden in einem Saal im Erdgeschoss statt, dieser ist barrierefrei zu erreichen. Der Saal hat ungefähr 50 Plätze. Reservierungen sind leider nicht möglich. Für die Schulveranstaltung am 18. November, 10.30 Uhr, "Der zweite Anschlag" bitten wir allerdings um eine vorherige Anmeldung bis Ende Oktober an anmeldung @ mobile-beratung-owl.de Wir hoffen, wir sehen uns bei den Filmen.

Das Programm als pdf

 

Das schweigende Klassenzimmer (28.10.2019)

Nach seinem preisgekrönten Drama »Der Staat gegen Fritz Bauer«, das sich darum drehte, wie die junge BRD mit dem Nationalsozialis-mus umging, widmet sich Regisseur Lars Kraume mit seinem Spielfilm »Das schweigende Klassenzimmer« der DDR in den 1950ern, genauer im Jahr 1956. Schüler erfahren vom Aufstand in Ungarn und halten für die Opfer eine Schweigeminute im Unterricht ab. Das schlägt Wellen bis zum Volksbildungsminister, der die angehenden Abiturient*innen als Konterrevolutionäre beschimpft und damit droht, die ganze Klasse von der Schule zu verweisen. Lars Kraume nimmt die historischen Fakten als Grundlage für seinen Film, interpretiert sie aber frei.

Die Kritik an dem 2018 veröffentlichten Film ist zu großen Teilen sehr positiv. Der ›film-dienst‹ bewertete den Film mit vier von fünf möglichen Sternen und als ein »mit viel Feingefühl« inszeniertes Drama. Dadurch, dass die Figuren als komplexe Charaktere angelegt seien, werde »ihr moralisches Dilemma umso glaubwürdiger« und würden »die Fragen nach Integrität, Haltung und Widerstand als zeitlose Themen ansichtig« gemacht. Der 111-minütige Film erhielt unter anderem  den Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke.

Mehr zum Film: www.studiocanal.de/kino/das_schweigende_klassenzimmer

Filmpartner// Volkshochschule im Kreis Herford (VHS) Als kommunales Weiterbildungszentrum bietet die VHS im Kreis Herford umfassende Möglichkeiten zur allgemeinen, politischen, beruflichen, gesundheitlichen, kulturellen und sprachlichen Weiterbildung. www.vhsimkreisherford.de

Montag, 28. Oktober, 19.30 Uhr, Capitol-Kino, Eintritt frei, Austritt erwünscht

 

Clash (04.11.2019)

In »Clash« springt der ägyptische Regisseur Mohamed Diab in einen Tag im Jahr 2013, kurz nachdem Präsident Mursi vom Militär aus dem Amt gejagt worden war. Die Konfrontationen werden in dem Spielfilm auf einen Gefängniswagen reduziert, in dem das Militär gefangengenommene Menschen in einem Käfig zusammenpfercht und durch Kairo transportiert. Die Gefangenschaft schweißt nicht zusammen, sondern lässt die unterschiedlichen Haltungen der Gefangenen heftig aufeinanderprallen. Darunter finden sich Unterstützer der Generäle, fundamentalistische Fanatiker, die selbsbewusste Mutter mit ihrer verschleierten Tochter, der aufstrebende Disk-Jockey – kurz ein Kaleidoskop derjenigen, die damals beteiligt waren.

Mit seinem 2018 erschienenen Film schließt Mohamend Diab an sein Vorgängerdrama »Kairo 678« an. In »Clash« nimmt er die Zuschauer mit in den Gefängniswagen. Die allgegenwärtige Gewalt, die Todesangst – all dies zeigt der 2018 erschienene Film auf ungewöhnliche Weise in 97 Minuten. »The Hollywood Reporter« schrieb, dass der Film als einer der Filme in Erinnerung bleibt, die am meisten über die Gegenwart des modernen Ägyptens erzählen.
Mehr zum Film: www.missingfilms.de/index.php/filme/10-filme-neu/240-clash

Filmpartner // Amnesty International Gruppe Herford Amnesty International ist eine weltweit agierende und unabhängige Mitgliederorganisation. Auf der Grundlage der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wendet sich Amnesty International gegen schwer wiegende Verletzungen der Rechte eines jeden Menschen auf Meinungsfreiheit, auf Freiheit von Diskriminierung sowie auf körperliche und geistige Unversehrtheit. amnesty-owl.de

Montag, 4. November, 19.30 Uhr, Capitol-Kino, Eintritt frei, Austritt erwünscht

 

Styx (11.11.2019)

Die Notärztin Rike ist auf Urlaubstour auf ihrer Yacht. Als im Südatlanik ein heftiges Unwetter tobt, entdeckt sie einen havarierten und überladenen Trawler – über 100 Menschen sind vom Ertrinken bedroht. Sie versucht Rettung zu organsieren, doch kein Schiff kommt. Schließlich versucht sie selbst, die Menschen auf dem Kutter zu retten.

Ein ebenso meisterliches wie dringliches Werk, ein Kammerspiel-Thriller auf offenem Meer in einer Zeit, in der es nicht mehr selbstverständlich ist, Menschen auf dem Meer zu retten. Die einzigen Retter auf dem Mittelmeer sind inzwischen private Hilfsorganisationen. Doch die werden inzwischen kriminalsiert und als Helfer von Schleppern denunziert. Der aufrichtige und authentische Film gelang Wolfgang Fischer. Er kam 2018 in die Kinos. »Der richtige Film zur richtigen Zeit« schrieb die Süddeutsche Zeitung. Der Film biete keinen billigen Ausweg. »Seine Kraft zieht er aus dem Spiel seiner Hauptdarstellerin Susanne Wolff, die als Solo-Seglerin Rike gewissermaßen den Westen verkörpert«.
Mehr zum Film: www.zorrofilm.de/index.php?id=192

Filmpartner // Flüchtlingsbegleit- / Friedensgruppe Herford Die Flüchtlingsbegleitgruppe hat unter anderem das Ziel, Flüchtlingen bei angstbesetzten Behördengängen zur Seite zu stehen. Kontakt Flüchtlingsbegleitgruppe
ahorn-s@gmx.de

IPPNW / Ärzte in sozialer Verantwortung Im IPPNW-Arbeitskreis Flüchtlinge/Asyl werden besonders die medizinischen Aspekte der Flüchtlingspolitik kritisch bearbeitet, z.B. Traumatisierung, Folterfolgen, Reisetauglichkeit, Altersdiagno-stik, Behandlung von Menschen ohne Papiere. www.ippnw.de

 

 Montag, 11. November, 19.30 Uhr, Capitol-Kino, Eintritt frei, Austritt erwünscht

 

Der zweite Anschlag (18.11.2019)

Ibrahim Arslan überlebte als Kind den Brandanschlag in Mölln, bei dem drei Mitglieder seiner Familie starben. Danach wurden die Arslans ein weiteres Mal zum Ziel von Attacken, dieses Mal von Teilen der Gesellschaft, Medien und auch Politik. In tiefgehenden Interviews entwickelt der Film ein präzises Bild der Ereignisse, welche die Protagonist*innen des Films durchlebt haben. Ibrahim Arslan schildert seine Erinnerungen an den rassistischen Brandanschlag, Osman Taşköprü erzählt von dem Mord an seinem Bruder Süleyman, den der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) 2001 in Hamburg beging und Mai Phương Kollath berichtet von Rostock-Lichtenhagen, als dort unter dem Beifall hunderter Schaulustiger das Sonnenblumenhaus von Neonazis in Brand gesteckt wurde.

Ein Netzwerk aus Menschen ist entstanden, die Ähnliches erlebt haben. Auch sie kommen in dem 62-minütigen Dokumentarfilm von Mala Reinhardt vor. »Der zweite Anschlag« führt diese Geschichten in einer vielschichtigen Erzählweise zusammen und eröffnet einen detaillierten Einblick in den Kampf gegen Rassismus in Deutschland.
Mehr zum Film: https://derzweiteanschlag.de

Die Regisseurin Mala Reinhardt und Patrick Lohse, Mitglied der Filmcrew, werden bei der Filmvorführung anwesend sein und stehen für eine Diskussion im Anschluss zur Verfügung.

Filmpartner// Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Detmold
und NRWeltoffen Kreis Herford

Montag, 18. November, 19.30 Uhr, Capitol-Kino,Eintritt frei, Austritt erwünscht


Den Film zeigen wir vormittags als Schulveranstaltung. Auch dort werden Mala Reinhardt und Patrick Lohse anwesend sein und sich den Fragen der Schüler*innen stellen. Für die Schulveranstaltung ist eine vorherige Anmeldung bis Ende Oktober nötig: anmeldung @ mobile-beratung-owl.de

Schulveranstaltung:Montag, 18. November, 10.30 Uhr (Einlass ab 10 Uhr), Capitol-Kino

 

Nur eine Frau (25.11.2019)

Hatun Aynur Sürücü will ein freies, selbstbestimmtes Leben führen, was auf den Widerstand ihrer Familie stößt. Insbesondere ihre Brüder wollen ihren Lebensstil nicht akzeptieren. Immer wieder wird sie von ihnen bedroht. Schließlich zieht sie mit ihrem Kind zu einer Freundin. Sie lernt das Leben lieben, zugleich versucht sie, den Konflikt mit ihrer Familie zu lösen. Ihre Brüder jedoch schlagen einen anderen Weg ein. Ein Bruder beschafft sich eine Waffe und will Hatun töten. Die Regisseurin Sherry Hormann hat sich dafür entschieden, Hatun nicht als Opfer darzustellen. Nach Hormanns Aussage soll sie als Vorbild für’s Menschsein in Erinnerung bleiben.

Das 97-minütige Dokudrama, das im Mai 2019 in die Kinos kam, fand große Beachtung. Künstlerisch bearbeitet erzählt es das Leben von Hatun Aynur Sürücü, die 2005 in Berlin ermordet wurde. Knut Elstermann von ›MDR Kultur‹ schreibt, die Regisseurin bleibe nicht bei der Unterdrückung stehen, sondern setze auch den mutigen, solidarischen, moslemischen Frauen ein Denkmal, die Hatun geholfen haben.
Mehr zum Film: http://nureinefrau-derfilm.de

Filmpartnerin // Arbeitsgemeinschaft kommunaler Gleichstellungsstellen / Frauen- und Mädchenprojekte
im Kreis Herford
Die Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten im Kreis Herford setzen sich innerhalb und außerhalb der Kommunalverwaltungen für die Gleichstellung und Chancengleichheit von Frauen und Männern ein. Die Mitarbeiterinnen der Frauen- und Mädchenprojekte beraten und begleiten Frauen und Mädchen therapeutisch in krisenhaften Lebenssituationen.

Montag, 25. November 2019, 19.30 Uhr, Capitol-Kino, Eintritt frei, Austritt erwünscht

 

Wackersdorf (02.12.2019)

Wackersdorf steht für den Kampf gegen die Atomindustrie in den 1980er Jahren. Damals plante die bayrische Landesregierung eine atomare Wiederaufarbeitungsanlage. Sofort setzte massiver Widerstand ein, ein breites gesellschaftliches Bündnis entstand. Der Film von Oliver Haffner aus dem Jahr 2018 rekonstruiert die Ereignisse und stellt den Schwandorfer Landrat Hans Schuierer in den Mittelpunkt. Als der Freistaat mit Gewalt gegen Proteste vorgeht, steigen in ihm Zweifel auf. Er beginnt nachzuforschen und legt sich mit der Strauß-Regierung an.

Der 122-minütige Film ist ein packendes Polit-Drama geworden, das sich an der Schnittstelle zwischen Dokumenation und Fiktion ansiedelt. Orginalbilder sind genauso Teil des Films wie die schauspielerische Darstellung damaliger Protagonisten. Sascha Westphal schrieb in der Wochenzeitung der Freitag von einer »äußerst kenntnisreichen und bewunderswert detailgetreuen Rekonstruktion eines gesellschaftlichen Konflikts«.
Mehr zum Film: http://wackersdorf-film.de

Filmpartner // IPPNW / Ärzte in sozialer Verantwortung Im IPPNW-Arbeitskreis Atomenergie werden die Gefahren bearbeitet, die von ziviler und militärischer Atomindustrie ausgehen. Ein besonderes Thema ist das Gesundheitsrisiko durch Niedrigstrahlung in der Umgebung von Atomanlagen. www.ippnw.de

Montag, 2. Dezember 2019, 19.30 Uhr, Capitol-Kino, Eintritt frei, Austritt erwünscht

 

Kino am Nachmittag: Abgang mit Stil (13.11.2019)

Ein Film, der einfach Spaß macht, ohne in Klamauk abzurutschen: Das verspricht der 2017 in die Kinos gekommene Spielfilm von Zach Braff. Drei Freunde im Rentenalter planen den großen Coup, nachdem ihre ehemalige Firma verkauft und der Pensionsfonds gleich mit aufgelöst werden soll. Gebhard Hölzl schreibt in der Stuttgarter Zeitung, dass Braff »seine Helden mit einem feinen Gespür für Details« einführe. Die Versatzstücke und das Personal seien allesamt bekannt, aber die liebevolle, flotte Umsetzung mache die Qualität aus. Beste Unterhaltung!

Filmpartner // ver.di-Ortsverein Herford. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ist vor allem in den Dienstleis-tungsbranchen aktiv und und vertritt die Interessen der Beschäftigten in Betrieben und Verwaltungen. hermi.verdi.de

Mittwoch, 13. November 2019, 15 Uhr, Capitol-Kino, Film mit Eintritt (3,- Euro)

 

Film vorab: Armed Lullaby

Als Vorfilm zeigen wir einen Animationsfilm von Yana Ugrekhelidze, die das Buch schrieb, die Regie führte und die Bilder animierte, zeigt vier Fluchtwege, die Kinder nehmen mussten, um aus ihrer Heimatstadt zu fliehen. Die Fluchtszenarien entsprechen den tatsächlichen Gegebenheiten während des Massakers von Sochumi 1993, das die georgische Zivilbevölkerung der abchasischen Hauptstadt erleiden musste. Der achtminütige Film entstand als Diplomarbeit an der Kunsthochschule für Medien Köln.