Informationen für Beschäftigte und betriebliche Interessenvertretungen zum Home-Office

Auf dieser Seite haben wir Informationen zum Thema Home-Office zusammengestellt.

Wir freuen uns über Anmerkungen und Ergänzungen, diese bitte an  info@aul-herford.de (Stand 27.01.2021)

 


 

Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeitet mobil, das heißt an wechselnden Arbeitsorten. So steht es im DGB-Index Gute Arbeit 2020. Mobil arbeiten heißt, dass von unterwegs gearbeitet wird – ausschließlich oder in Kombination mit einem Arbeitsplatz im Betrieb. Monteur*innen, Kundendienstleister*innen oder Beschäftigte bei Mobilen Sozialen Diensten sind typische Mobile Arbeiter*innen.

Home-Office hingegen bedeutet, dass parallel zum Arbeitsplatz im Unternehmen ein Arbeitsplatz zu Hause aufgebaut ist und Arbeiten für eine gewisse Zeit ganz oder teilweise von zu Hause aus erledigt werden.

Seit dem 27. Januar 2021 gelten neue Vorgaben für das Home-Office. Grundlage ist die neue "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ des Bundesarbeitsministeriums, die zunächst befristet bis zum 15. März 2021 gilt.

Ist Home-Office nun verpflichtend?

Durch die neue Verordnung muss der Arbeitgeber Home-Office anbieten, wenn "keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Die Entscheidung liegt also weiterhin beim Unternehmen.

Kann ein Beschäftigter ins Home-Office gezwungen werden?

Aus Perspektive des Beschäftigten gilt weiterhin, dass er dem Home-Office zustimmen muss. Privater Wohnraum des Beschäftigten liegt außerhalb der Einflusssphäre des Arbeitgebers. Ein Beschäftigter kann vom Arbeitgeber nicht gezwungen werden, dort zu arbeiten. Der Beschäftigte muss dies nicht weiter begründen.

Eine abweichende Festlegung des vertraglichen Arbeitsortes bedarf in jedem Fall einer entsprechenden arbeitsvertraglichen Regelung zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten oder einer Betriebsvereinbarung.

Was, wenn der Arbeitgeber sich weigert?

Wenn der Arbeitgeber Home-Office verweigert, obwohl Arbeiten von zu Hause aus möglich wären, sollte der Beschäftigte zunächst mit dem Arbeitgeber sprechen. Ist dies nicht möglich oder nicht erfolgreich, ist die betriebliche Interessenvertretung (Betriebs-, Personalrat, Mitarbeitervertretung) die richtige Adresse. Geht es da auch nicht weiter oder ist keine betriebliche Interessenvertretung vorhanden, empfiehlt das Bundesarbeitsminsterium, direkt Kontakt mit den Arbeitsschutzbehörden aufzunehmen (§ 17 Arbeitsschutzgesetz). Auf Verlangen der Arbeitsschutzbehörde muss der Arbeitgeber die Gründe darlegen, weshalb Home-Office nicht möglich ist. Die neue Verordnung sieht keine Sanktionen vor, das Bundesarbeitsministerium spricht aber von einem maximalen Bußgeld von 30.000 Euro.

Welche betrieblichen Gründe kann ein Arbeitgeber anführen, um das Home-Office zu verweigern?

Bei den allermeisten Tätigkeiten in der Produktion oder auch der stationären Pflege liegt es auf der Hand, dass dafür die Präsenz vor Ort notwendig ist. Auch in anderen Bereichen können betriebstechnische Gründe vorliegen, die gegen eine Verlagerung ins Home-Office sprechen. Das Bundesarbeitsministerium nennt selbst Beispiele: mit einer Bürotätigkeit verbundene Nebentätigkeiten wie die Bearbeitung und Verteilung der eingehenden Post, die Bearbeitung des Warenein- und ausgangs, Schalter- und Kassendienste bei weiterhin erforderlichen Kunden- und Mitarbeiterkontakten.

Muss ein Arbeitgeber den Home-Office-Arbeitsplatz ausstatten?

Dazu gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Einigkeit besteht aber darin, dass ein Arbeitgeber für die technische Infrastruktur sorgen muss. Auch wenn er dies nicht immer tut: In der Regel muss er einen Laptop zur Verfügung stellen, mit dem der Beschäftigte auf den Server des Unternehmens kommt. Wenn es zwingend notwendig ist, dürfte auch ein Smartphone/ Handy zur Verfügung gestellt werden müssen, um telefonieren zu können. Andersherum kann ein Arbeitgeber einen Beschäftigten nicht zwingen, sich auf eigene Kosten einen Laptop oder andere Geräte für die betriebliche Nutzung zu kaufen. Eine umfassende Ausstattung des Home-Office-Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber ist durch den Gesetzgeber bislang nicht vorgesehen. Diese kann sich beispielsweise auf einen Bürostuhl oder Schreibtisch beziehen.

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im Homeoffice verantwortlich, sagt der Gesetzgeber. Der Arbeitsplatz im Home-Office ist also auch Teil der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung und damit mitbestimmungspflichtig.

Was können betriebliche Interessenvertretungen tun?

Zunächst einmal genau hinschauen: Was macht der Arbeitgeber, gibt es Beschwerden seitens der Kolleg*innen über mangelnde Home-Office-Angebote oder mangelnde technische Ausstattung für die Arbeit von zu Hause aus? Viele Interessenvertretungen, der DGB spricht von einem Drittel, haben bereits Betriebsvereinbarungen zu den Themen Mobiles Arbeiten und Home-Office abgeschlossen. Denen, die das noch nicht getan haben, raten wir das dringend. Denn das Thema ist insgesamt mitbestimmungspflichtig und sollte auch unbedingt mitbestimmt werden.

Welche Themen sind für eine Betriebsvereinbarung wichtig?

Neben den Themen, die bereits genannt wurden, darunter die Ausstattung des Home-Office, sind weitere Aspekte zu beachten: Wie ist der Datenschutz beim Home-Office geregelt, sowohl aus betrieblicher wie auch privater Sicht? Wer trägt da die Verantwortung?

Und: Wie wird die Arbeitszeit erfasst? Untersuchungen zeigen, dass mobile Beschäftigte und Kolleg*innen im Home-Office eher zu viel denn zu wenig arbeiten. Wird die Zeit nicht erfasst, werden die Überstunden in der Regel nicht bezahlt. Zu den Überstunden kommen in einigen Fällen noch Stunden, in denen viele der Arbeitnehmer*innen erreichbar sein sollen. Praktisch eine Art Bereitschaftsdienst im Namen der Firma, der ebenfalls nicht vergütet wird. Die Arbeitszeit ist durch das Gesetz, einzelvertraglich oder durch Tarifvertrag geregelt, die konkrete Ausgestaltung der Arbeitszeiten wie Schicht- oder Wochenendarbeit ist mitbestimmungspflichtig.

Welche Widerstände gilt es beim Home-Office zu überwinden?

Das hängt vom Arbeitgeber ab. Manche sehen durchaus Vorteile und sind bereit, neue Formen der Arbeitsorganisation auszuprobieren. Andere fürchten Macht- und Kontrollverlust, wenn die Arbeitnehmer*innen nicht mehr vor Ort sind.

Home-Office ist in der aktuellen Pandemie ein gutes Mittel, um die Zahl der Infektionen zu senken, einfach weil es Kontakte verringert. Aber: Home-Office entgrenzt Privates und Berufliches, die Grenzen verschwimmen. Und dies geht schnell zu Lasten des Privaten, der Freizeit. Home-Office muss ein Recht werden, darf aber nicht zur Pflicht werden. Niemand soll aus dem betrieblichen Kontext heraus auf einen Heimarbeitsplatz gedrängt werden.

Was ist noch zu tun?

Jede Menge. Die DGB-Gewerkschaften fordern klarere Regeln. Die neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums ist pandemiebezogen und gilt zunächst nur bis 15. März 2021. Die Verordnung ist kurz, Home-Office wird mit einem Satz (§2, Abs. 4) abgehandelt: "Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Damit bleibt sehr viel offen. Die Bundesregierung muss hier tätig werden und klarere und detaillierte Regeln in Gesetzesform erlassen, die Mobiles Arbeiten, Telearbeit als fest und dauerhaft zu Hause eingerichteter Arbeitsplatz, und Home-Office als Ergänzung zum Betriebsarbeitsplatz umfassen. Die Regelungen müssen die Effekte der Digitalisierung, die vernetztes Arbeiten und damit Arbeiten von zu Hause aus in vielen Fällen ja erst möglich gemacht hat, auf die Arbeitsplätze berücksichtigen.

 

Mehr als ein Drittel (36 Prozent) der abhängig Beschäftigten in Deutschland arbeitet mobil, das heißt an wechselnden Arbeitsorten. So steht es im DGB-Index Gute Arbeit 2020. Mobil arbeiten heißt, dass von unterwegs gearbeitet wird – ausschließlich oder in Kombination mit einem Arbeitsplatz im Betrieb. Monteur*innen, Kundendienstleister*innen oder Beschäftigte bei Mobilen Sozialen Diensten sind typische Mobile Arbeiter*innen.

Home-Office hingegen bedeutet, dass parallel zum Arbeitsplatz im Unternehmen ein Arbeitsplatz zu Hause aufgebaut ist und Arbeiten für eine gewisse Zeit ganz oder teilweise von zu Hause aus erledigt werden.

Seit dem 27. Januar 2021 gelten neue Vorgaben für das Home-Office. Grundlage ist die neue "SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung“ des Bundesarbeitsministeriums, die zunächst befristet bis zum 15. März 2021 gilt.

Ist Home-Office nun verpflichtend?

Durch die neue Verordnung muss der Arbeitgeber Home-Office anbieten, wenn "keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Die Entscheidung liegt also weiterhin beim Unternehmen.

Kann ein Beschäftigter ins Home-Office gezwungen werden?

Aus Perspektive des Beschäftigten gilt weiterhin, dass er dem Home-Office zustimmen muss. Privater Wohnraum des Beschäftigten liegt außerhalb der Einflusssphäre des Arbeitgebers. Ein Beschäftigter kann vom Arbeitgeber nicht gezwungen werden, dort zu arbeiten. Der Beschäftigte muss dies nicht weiter begründen.

Eine abweichende Festlegung des vertraglichen Arbeitsortes bedarf in jedem Fall einer entsprechenden arbeitsvertraglichen Regelung zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten oder einer Betriebsvereinbarung.

Was, wenn der Arbeitgeber sich weigert?

Wenn der Arbeitgeber Home-Office verweigert, obwohl Arbeiten von zu Hause aus möglich wären, sollte der Beschäftigte zunächst mit dem Arbeitgeber sprechen. Ist dies nicht möglich oder nicht erfolgreich, ist die betriebliche Interessenvertretung (Betriebs-, Personalrat, Mitarbeitervertretung) die richtige Adresse. Geht es da auch nicht weiter oder ist keine betriebliche Interessenvertretung vorhanden, empfiehlt das Bundesarbeitsminsterium, direkt Kontakt mit den Arbeitsschutzbehörden aufzunehmen (§ 17 Arbeitsschutzgesetz). Auf Verlangen der Arbeitsschutzbehörde muss der Arbeitgeber die Gründe darlegen, weshalb Home-Office nicht möglich ist. Die neue Verordnung sieht keine Sanktionen vor, das Bundesarbeitsministerium spricht aber von einem maximalen Bußgeld von 30.000 Euro.

Welche betrieblichen Gründe kann ein Arbeitgeber anführen, um das Home-Office zu verweigern?

Bei den allermeisten Tätigkeiten in der Produktion oder auch der stationären Pflege liegt es auf der Hand, dass dafür die Präsenz vor Ort notwendig ist. Auch in anderen Bereichen können betriebstechnische Gründe vorliegen, die gegen eine Verlagerung ins Home-Office sprechen. Das Bundesarbeitsministerium nennt selbst Beispiele: mit einer Bürotätigkeit verbundene Nebentätigkeiten wie die Bearbeitung und Verteilung der eingehenden Post, die Bearbeitung des Warenein- und ausgangs, Schalter- und Kassendienste bei weiterhin erforderlichen Kunden- und Mitarbeiterkontakten.

Muss ein Arbeitgeber den Home-Office-Arbeitsplatz ausstatten?

Dazu gibt es keine gesetzlichen Vorgaben. Einigkeit besteht aber darin, dass ein Arbeitgeber für die technische Infrastruktur sorgen muss. In der Regel muss er einen Laptop zur Verfügung stellen, mit dem der Beschäftigte auf den Server des Unternehmens kommt. Wenn es zwingend notwendig ist, dürfte auch ein Smartphone zur Verfügung gestellt werden müssen, um telefonieren zu können. Andersherum kann ein Arbeitgeber einen Beschäftigten nicht zwingen, sich auf eigene Kosten einen Laptop oder andere Geräte für die betriebliche Nutzung zu kaufen. Eine umfassende Ausstattung des Home-Office-Arbeitsplatzes durch den Arbeitgeber ist durch den Gesetzgeber bislang nicht vorgesehen. Dies kann sich beispielsweise auf einen Bürostuhl oder Schreibtisch beziehen.

Grundsätzlich ist der Arbeitgeber für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im Homeoffice verantwortlich, sagt der Gesetzgeber. Der Arbeitsplatz im Home-Office ist also auch Teil der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung und damit mitbestimmungspflichtig.

Was können betriebliche Interessenvertretungen tun?

Zunächst einmal genau hinschauen: Was macht der Arbeitgeber, gibt es Beschwerden seitens der Kolleg*innen über mangelnde Home-Office-Angebote oder mangelnde technische Ausstattung für die Arbeit von zu Hause aus? Viele Interessenvertretungen, der DGB spricht von einem Drittel, haben bereits Betriebsvereinbarungen zu den Themen Mobiles Arbeiten und Home-Office abgeschlossen. Denen, die das noch nicht getan haben, raten wir das dringend. Denn das Thema ist insgesamt mitbestimmungspflichtig und sollte auch unbedingt mitbestimmt werden.

Welche Themen sind für eine Betriebsvereinbarung wichtig?

Neben den Themen, die bereits genannt wurden, darunter die Ausstattung des Home-Office, sind weitere Aspekte zu beachten: Wie ist der Datenschutz beim Home-Office geregelt, sowohl aus betrieblicher wie auch privater Sicht? Wer trägt da die Verantwortung?

Und: Wie wird die Arbeitszeit erfasst? Untersuchungen zeigen, dass mobile Beschäftigte und Kolleg*innen im Home-Office eher zu viel denn zu wenig arbeiten. Wird die Zeit nicht erfasst, werden die Überstunden in der Regel nicht bezahlt. Zu den Überstunden kommen in einigen Fällen noch Stunden, in denen viele der Arbeitnehmer*innen erreichbar sein sollen. Praktisch eine Art Bereitschaftsdienst im Namen der Firma, der ebenfalls nicht vergütet wird. Die Arbeitszeit ist durch das Gesetz, einzelvertraglich oder durch Tarifvertrag geregelt, die konkrete Ausgestaltung der Arbeitszeiten wie Schicht- oder Wochenendarbeit ist mitbestimmungspflichtig.

Welche Widerstände gilt es beim Home-Office zu überwinden?

Das hängt vom Arbeitgeber ab. Manche sehen durchaus Vorteile und sind bereit, neue Formen der Arbeitsorganisation auszuprobieren. Andere fürchten Macht- und Kontrollverlust, wenn die Arbeitnehmer*innen nicht mehr vor Ort sind.

Home-Office ist in der aktuellen Pandemie ein gutes Mittel, um die Zahl der Infektionen zu senken, einfach weil es Kontakte verringert. Aber: Home-Office entgrenzt Privates und Berufliches, die Grenzen verschwimmen. Und dies geht schnell zu Lasten des Privaten, der Freizeit. Home-Office muss ein Recht werden, darf aber nicht zur Pflicht werden. Niemand soll aus dem betrieblichen Kontext heraus auf einen Heimarbeitsplatz gedrängt werden.

Was ist noch zu tun?

Jede Menge. Die DGB-Gewerkschaften fordern klarere Regeln. Die neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums ist pandemiebezogen und gilt zunächst nur bis 15. März 2021. Die Verordnung ist kurz, Home-Office wird mit einem Satz (§2, Abs. 4) abgehandelt: "Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen". Damit bleibt sehr viel offen. Die Bundesregierung muss hier tätig werden und klarere und detaillierte Regeln in Gesetzesform erlassen, die Mobiles Arbeiten, Telearbeit als fest und dauerhaft zu Hause eingerichteter Arbeitsplatz, und Home-Office als Ergänzung zum Betriebsarbeitsplatz umfassen. Die Regelungen müssen die Effekte der Digitalisierung, die vernetztes Arbeiten und damit Arbeiten von zu Hause aus in vielen Fällen ja erst möglich gemacht hat, auf die Arbeitsplätze berücksichtigen.